Jeder von uns ist voreingenommen und hat Vorurteile - unbewusst wie bewusst. Das bedeutet nicht, dass du kein guter, gesetzestreuer Mensch bist, der fleißig und freundlich ist. Deshalb wirst du vermutlich ziemlich überrascht sein herauszufinden, was es bedeutet, rassistische Vorurteile zu haben, oder welche kleinen Dinge Rassismus in deinem Umfeld unterstützt.

Wenn Du lernen möchtest, wie Du diesem Thema in deinem eigenen Leben begegnen kannst, dann kannst du dir die folgenden Fragen und Aussagen ansehen. Diese werden dir zu einer ehrlichen Reflexion deines Inneren verhelfen, um herauszufinden, wo du persönlich stehst und was du möglicherweise ändern könntest.

Es wird immer wieder gesagt: Wenn man einmal für die Problematik aufmerksam geworden ist, dann kann man nicht mehr sagen, dass man es nicht gewusst hätte.

Die unten aufgeführten Fragen sind das Ergebnis der Erfahrungen von BIPOC (Black, Indigenous, People Of Colour - schwarze oder indigene Menschen usw.). Sie sind aus dem Englischen übersetzt (Quelle: https://hillsong.com/collected/blog/2020/06/uprooting-racism-a-place-to-start/#.YN2o9C2230r)

Du erkennst in diesen Fragen womöglich keine rassistischen Tendenzen, aber sie halten die Privilegien des Systems aufrecht.

STELL DIR SELBST DIESE FRAGEN, BEVOR DU SIE ANDEREN STELLST:

1. Erzähle ich rassistische Witze oder Witze mit rassistischen Konnotationen (Andeutungen), die eine Rasse über eine andere erheben?

2. Bin ich jemand, der über solche Witze lachen würde?

3. Höre ich mir diese Witze an und sage nichts, obwohl ich weiß, dass es nicht richtig ist?

4. Habe ich jemals jemanden mit einem anderen ethnischen Hintergrund herabgewürdigt? Habe ich ihm den Kopf getätschelt, sein Haar unerlaubt berührt, Witze über seine Größe oder seinen Körperbau gemacht oder über seine "Ganzjahresbräune" gescherzt?

5. Habe ich mich jemals über den Akzent von jemandem lustig gemacht?

6. Habe ich, wenn ich mit jemandem mit dunklerem Hautton gesprochen habe, gesagt, dass er exotisch aussieht?

7. Habe ich jemals gesagt, dass in einer bestimmten Personengruppe „alle gleich aussehen“?

8. Habe ich jemals zu jemandem mit einer helleren Hautfarbe gesagt: "Aber du bist so hell! Du siehst nicht aus, als wärst du von ... Bist du ein Mischling’?

9. Habe ich jemals gesagt: "Du brauchst keine Sonnencreme, weil du braun/schwarz bist.“?

10. Wenn ich über eine andere Rasse oder eine Person mit einem anderen kulturellen Hintergrund spreche, flüstere ich dann, wenn ich ihre Hautfarbe oder ihre Herkunft erwähne?

11. Neige ich dazu, in einer geselligen Runde Menschen anderer Hautfarbe zu fragen, woher sie wirklich kommen oder was ihr Hintergrund ist? Wie oft frage ich das eine weiße Person?

12. Habe ich eine pauschale oder verallgemeinernde Aussage über Menschen gemacht, die anderer Herkunft sind oder eine anderen Religion angehören? "Muslime sind alle Extremisten", "Asiaten sind gut in Mathe“.

13. Habe ich die Erziehung von Kindern anderer Kulturen in der Klasse meines Kindes beurteilt oder Annahmen über sie getroffen? Habe ich diese vor meinen eigenen Kindern oder anderen Eltern geäußert und damit eine negative Wahrnehmung dieser Kultur aufrechterhalten?

14. Verwende ich manchmal abwertende Begriffe für Menschen anderer kultureller Herkunft aus Humor oder Unbedachtheit?

15. Habe ich das Unwohlsein meines Gegenübers missachtet oder belächelt, wenn etwas angesprochen wurde, was ihm unangenehm ist oder worum er mich wiederholt gebeten hat, es nicht zu sagen oder zu tun?

16. Habe ich ihnen jemals gesagt, dass sie überreagieren oder übermäßig sensibel sind?

17. Wenn mich jemand darauf hinweist, dass ich etwas rassistisches oder abwertendes gesagt habe, reagiere ich dann sofort defensiv?

18. Habe ich jemals gesagt: "Ich bin kein Rassist, ich habe schwarze Freunde“?

19. Mit wem treffe ich mich regelmäßig? Sehen sie alle wie ich aus? Haben sie den gleichen kulturellen Hintergrund wie ich?

20. Erlaube ich als Teamleiter oder Manager in einer Organisation, Gemeindesportgruppe oder Kirche, dass BIPOC nicht nur einen Platz am Tisch haben, sondern übergebe ich ihnen regelmäßig das Mikrofon oder bitte sie, etwas mit ihrer eigenen Stimme am Tisch beizutragen?

21. Bemühe ich mich aktiv darum, eine Vielfalt von Kulturen im Leitungsteam um mich herum zu haben?

22. Rede ich über BIPOC oder unterbreche ich sie in Meetings?

23. Weise ich ihren Beitrag zurück oder diskreditiere ihn, weil er nicht das ist, was ich hören will?

24. Verharmlose ich oder beteilige ich mich an rassistischen Diskussionen, weil ich Angst davor habe, dass ich Unterstützer/Anhänger/Geschäfte verlieren werde?

25. Stelle ich mich als Autorin/Bloggerin/Fotografin/Filmemacherin/Social Media Influencerin als Held/in in den Geschichten von BIPOC in den Mittelpunkt oder lasse ich sie ihre Geschichte ohne mein Einmischen erzählen?

26. Wie fange ich als Fotograf Fotos von Menschen in anderen Kulturen ein? Zu welchem Zweck mache ich das? Frage ich sie immer um Erlaubnis und sage ihnen, wo ihre Fotos verwendet werden und gebe ihnen die Möglichkeit, sie anzusehen oder gar nicht erst fotografiert zu werden? Mache ich würdevolle Fotos von ihnen?

27. Bin ich immer oder häufig im Bild des Fotos?

Dies sind einige der alltäglichen Kennzeichen von Rassismus. Es sind Fragen, die wir uns selbst stellen können, um unser eigenes Verhalten und Denken zu reflektieren und ggf. zu verändern.

Es ist an der Zeit, dass wir uns selbst herausfordern und mutig genug sind, unser Umfeld - unsere Freunde und Familien - herauszufordern.

Achte dabei auf deine geistige Gesundheit. Es ist keine leichte Aufgabe und du wirst Zeit benötigen, diese ganzen Impulse zu verarbeiten, wenn sie neu für dich sind. Suche dir kluge Ratgeber und bete. Doch wende dem Thema nicht den Rücken zu, nur weil es schwierig ist. Du hast das Glück, dich in einer privilegierten Position zu befinden, die dir Weiterbildung ermöglicht. Es muss nicht deine gelebte Erfahrung bleiben.

Übernimm Verantwortung. Tu es im Stillen und nicht auf Social Media, wo du deine Schwierigkeiten in den Mittelpunkt stellen kannst. Die Früchte harter Arbeit werden in deinem Leben sichtbar werden. Erinnere dich daran, warum wir das tun wollen. Wir tun dies für eine Welt, in der jeder Mensch Schulter an Schulter stehen kann. Für eine Welt, in der alle Mensch gleich sind in ihren Rechten und Freiheiten, unabhängig von ihrer Hautfarbe oder ihrem Glaubensbekenntnis.